Weitere Diskriminierungsmerkmale

Zusätzlich zu den „rassistischen Merkmalen“, Glauben oder Weltanschauung, Behinderung, Alter und sexuelle Orientierung ist Unia für acht weitere Diskriminierungsgründe zuständig. Für das Merkmal „Geschlecht“ wurde in Belgien eine separate Einrichtung gegründet: das Institut für die Gleichheit von Frauen und Männern (Instituut voor de Gelijkheid van Vrouwen en Mannen/Institut pour l’Égalité des Femmes et des Hommes). Für das Merkmal „Sprache“ wurde in Belgien keiner staatlichen Stelle eine spezifische Zuständigkeit zugewiesen.

Gesundheitszustand

Weitere Diskriminierungsmerkmale

Eine Frau erhält keine Restschuldversicherung, weil sie im Alter von 15 Jahren eine Nierentransplantation hatte. Wegen einer zurückliegenden Ansteckung mit dem Hepatitis-C-Virus wird ein Krankenpfleger als Bewerber abgelehnt. Eine Krebspatientin wird wegen ihres Gesundheitszustands nicht für eine kurzzeitige Fortbildung angemeldet, usw.

Unter gegenwärtigem oder künftigem Gesundheitszustand versteht man den aktuellen diagnostizierten körperlichen oder geistigen Krankheitszustand oder den künftigen oder im Normalfall zu erwartenden Gesundheitszustand.

Bei der Untersuchung einer Diskriminierungssituation aufgrund des Gesundheitszustands geht es um die Eignung der Arbeitskraft für eine bestimmte Aufgabe und um die eventuellen angemessenen Vorkehrungen, für die im Fall von chronischen Krankheiten zu sorgen ist.

Das Merkmal Gesundheitszustand bezieht sich auf kurzfristige Erkrankungen. Chronische oder degenerative Krankheiten sowie psychische Erkrankungen können auch unter das Merkmal „Behinderung“ fallen.

Das Antidiskriminierungsgesetz berücksichtigt das Merkmal „Gesundheitszustand in der Vergangenheit“ bisher noch nicht. Personen, die zum Beispiel in der Vergangenheit an Krebs erkrankt waren und entlassen wurden, weil der Arbeitgeber einen Rückfall befürchtete, werden vom Gesetzgeber nicht hinreichend geschützt. Unia empfiehlt nach der Auswertung des Antidiskriminierungsgesetzes, dass die Krankengeschichte einer Person in Zukunft in gleichem Maße geschützt wird.  

Vermögen

Weitere Diskriminierungsmerkmale

Ein Hauseigentümer verlangt von seinen Mietinteressenten einen unbefristeten Arbeitsvertrag und einen Monatseinkommensbeleg über 2.000 Euro. Ein Eigentümer weigert sich, an ‚Schwarze, Ausländer und Zahlungsschwache‘ zu vermieten, usw.

Unter Vermögen versteht man die Verfügbarkeit finanzieller Mittel, gleich welcher Art.

Dieser Diskriminierungsgrund ist am häufigsten indirekt auf dem Wohnungsmarkt zu beobachten (Beispiel: Mietverweigerung gegenüber Empfängern von ÖSHZ-Hilfen oder Arbeitslosengeld).

Körperliche oder genetische Eigenschaften

Weitere Diskriminierungsmerkmale

Ein Unternehmen lehnt die Einstellung eines Verkäufers ab, weil er einen Blutschwamm hat; ein anderes Unternehmen sucht über eine Personalagentur ausschließlich „schlanke“ Bewerber, usw. 

Man definiert den Begriff des körperlichen Merkmals unter Einbeziehung aller angeborenen und erworbenen Merkmale, die sich dem Einfluss der betroffenen Person entziehen (Beispiele: Muttermale, Verbrennungen, chirurgische Narben, Verstümmelungen …) und ein Stigma für die Person darstellen oder darstellen können.

Tattoos, Piercings, Frisuren und weitere Merkmale dieser Art gelten nicht als körperliches Merkmal.

Personenstand

Weitere Diskriminierungsmerkmale

Ein Eigentümer weigert sich, eine Wohnung an einen alleinstehenden Mann zu vermieten; eine Frau mit drei Kindern wird nicht eingestellt, weil der Arbeitgeber unterstellt, dass sie für eine Stelle mit vielen Überstunden und Arbeit in den Abendstunden ungeeignet ist, usw.

Unter „Personenstand“ ist der Ehestand einer Person zu verstehen. Darunter fallen auch vergleichbare Verhältnisse wie eine eingetragene Partnerschaft oder eine nichteheliche Lebensgemeinschaft.

Politische Überzeugungen

Weitere Diskriminierungsmerkmale

Ein Arbeitnehmer wird entlassen, weil er Mitglied einer rechtsextremen Partei ist; eine Tagesmutter weigert sich, wegen der politischen Überzeugung der Eltern ein Kind zu betreuen; ein Arbeitnehmer wird nicht befördert, nachdem er auf einer linksextremen Kundgebung gesehen wurde, usw. 

Unter „politischer Überzeugung“ ist zu verstehen, dass man sich mit einer politischen Strömung identifiziert, auch ohne tatsächlich Mitglied einer politischen Partei zu sein.

Nur identitätsgebundene Organisationen dürfen von Bewerbern verlangen, dass sie die ethischen Vorstellungen des Unternehmens oder der Einrichtung übernehmen. Zum Beispiel kann eine politische Partei ihre parteipolitische Mitarbeiter auffordern, in die Partei einzutreten, da sie Zugang zu sensiblen strategischen Informationen haben. 

Gewerkschaftszugehörigkeit

Weitere Diskriminierungsmerkmale

Ein Arbeitnehmer wird nicht befördert, weil er Gewerkschaftsvertreter ist; ein Kollege wird gemobbt, weil er Mitglied einer Gewerkschaft ist, usw. 

Unter „Gewerkschaftszugehörigkeit“ ist zu verstehen, dass eine Person die Ideen einer Gewerkschaft vertritt, auch ohne tatsächlich Mitglied dieser Gewerkschaft zu sein. Die Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft ist ebenfalls durch das Antidiskriminierungsgesetz geschützt. Unter diesen Schutzgrund fällt nicht nur die gewerkschaftliche Einstellung, sondern auch die Mitgliedschaft in einer gewerkschaftlichen Organisation einschließlich der damit verbundenen Aktivitäten.

Geburt

Weitere Diskriminierungsmerkmale

Einem Studenten wird ein Ferienjob in einem Unternehmen verwehrt, weil keines seiner Familienmitglieder in diesem Unternehmen beschäftigt ist; eine Bewerberin wird abgelehnt, weil ihr Name mit einem bekannten Mörder in Verbindung gebracht wird, usw.   

Unter „Geburt“ ist die Abstammung von einem Elternteil zu verstehen. Ungleiche Behandlung, die auf einer Eigenschaft eines oder beider Elternteile oder der Kinder beruht, ist verboten.

Soziale Herkunft

Weitere Diskriminierungsmerkmale

Ein Bewerber, dessen Eltern beide Arbeiter sind, bekommt aus diesem Grund eine Stelle nicht; ein Arbeitnehmer wird gemobbt, weil seine Familie adlig ist, usw.

„Soziale Herkunft“ bezeichnet die Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Schicht (zum Beispiel dem Adel). Dieses Merkmal soll Personen schützen, die aufgrund ihrer sozioökonomischen Situation oder ihrer Zugehörigkeit zu einer sozialen Schicht benachteiligt werden.